6:00 Uhr, der Wecker klingelt, wir wollen nach Tanna segeln. Bevor ich aber die Augen öffnen kann, höre ich schon unsere Kette und spüre unser Schiff. “Wir sitzen wieder fest” ist das Erste was ich von mir gebe. Marcus glaubts nicht und klettert aus der Koje. Nach einem prüfenden Ruck an unserer Kette, kommt er lachend wieder rein. “Du hast recht gehabt, die Kette sitzt fest”. GUTEN MORGEN! Egal wir versuchens trotzdem. Und siehe da unsere bomben Ankerwinsch rattert die Kette einfach hoch. Ohne auch nur ein klitze kleines bisschen des Riffes sehen zu können, manövrieren wir Molli auf dem alten track aus der Bucht. Dann folgt ein wundervoller Segeltag, bei dem wir mal wieder unseren Blister auslüften können.
Tanna! Aus der Ferne können wir schon den Mount Yasur sehen, 361 meter ist er nur hoch, aber er hats in sich! Der aktive Vulkan liegt nur einige Kilometer von der Ankerbucht entfernt und er raucht und donnert uns schon von Weitem was vor. Die Ansteuerung in Port Resolution beschäftigt uns schon seit Tagen. Dieser Teil der Insel ist in allen Seekarten falsch eingetragen und viele, viele Schiffe sind hier auf dem Riff in den letzten Jahren zerschellt. Am End wars aber gar nicht so schwierig und nun liegen wir friedlich auf 4 m Wassertiefe in dieser unglaublichen Bucht. Den Meeresboden können wir trotzdem nicht sehen. Zu viel Schlamm im Wasser. Die Bucht ist ideal solange kein Ostwind bläst, denn dann rollen hier die Grossen rein und verwandeln die tiefe Bucht in eine gefährliche Falle. Sehr schade, ich könnte ewig hier bleiben!

Natürlich sind wir heute noch an Land gegangen. Das kleine Dorf ist sehr ursprünglich und traditionell. Es ist wirklich schade, dass wir keine Fotos hochladen können, aber ich glaube in ganz Vanuatu ist das nicht wirklich möglich. So müssen wir wohl versuchen zu beschreiben, was wir hier erleben. Nicht ganz einfach. Dabei ist hier immer alles so einfach. Wir erleben die ni-Vanuatu als kommunikative Menschen, die auch gerne mal einen Scherz machen. Schnell kommen wir ins Gespräch und die Kids machen es uns gleich. Aber es gibt hier auch viele Regeln, die zu befolgen sind: Am Nachmittag wollten wir noch zum Strand auf der anderen Seite. Der Weg führt durch das Dorf, mit seinen sehr urprünglichen Hütten und gepflegten Gärten. Mitten im Gespräch hält unser Wegbegleiter inne und sagt, dass wir jetzt einen anderen Weg nehmen müssten. Da vorne wird Kava getrunken und ich als Frau, darf dort jetzt nicht her gehen. Ok.
Die Frau hatte früher in Vanuatu nicht ganz so viel zu sagen. Ich habe gelesen, dass die Frauen noch vor 130 Jahren einen Strick um den Hals tragen mussten. Wenn ihr Ehemann starb sind sie damit erdrosselt worden, um mit ihm begraben zu werden. Wenn ein geliebtes Kind starb, wurde die Mutter oder eine andere weibliche Verwandte erwürgt. Hm. Die Chiefs liessen sich vor ihrem Tod lebendig begraben und na klar ihre Lieben gleich mit. Das war eine große Ehre. Diese Tradition gibt es zum Glück nicht mehr. Aber wenn eine Frau sich zu einer Heirat entscheidet, muss der Mann oder seine Familie einen Preis in Kava und Schweinen zahlen. Im Gegenzug bekommt die Familie der Frau eine weibliche Person aus dem Haushalt des Ehemanns. Meist ist es die Schwester oder aber die Erstgeborene (mit 8-10 Jahren). Mutter und Tochter dürfen sich gelgentlich besuchen. Huch? Das ist für mich schon schwer nachvollziehbar.
Die heutigen “christlichen” ni-Vanuatu glauben weiterhin an ihre Geister. Der Glaube, ihre Tradition ist fest in ihnen verankert. Mittlerweile begreifen sie aber, dass die Kirche mit ihren strengen Missionaren ihnen viele ihrer Traditionen verboten und somit für immer geraubt haben. Es gibt viele Dinge, die große Bedeutung für sie haben. Zum Beispiel ihre magischen Steine, die unter anderem Pflanzen zum blühen bringen. Für Fremde sind sie Tabu, aber es gibt nur noch wenige, denn die Missionare haben die meisten ins Meer geworfen.
In Tanna haben viele ihre traditionelle Lebensart, das Kastom, beibehalten, wobei sich das Kastom der neuen Welt angepasst hat. Ca. 1930 kam John Frum auf die Insel. Manche sagen er ist ein Geist, Andere er war ein weisser Mann, der ihre Sprache sprechen konnte. John Frum trank Kava mit ihnen und sagte, dass sie ihr Kastom behalten sollten und dass er eines Tages mit Reichtümern wiederkommen wird, damit es ihnen so gut wie den Europäern geht. Während des zweiten Weltkrieges brauchten die Amerikaner Hilfe bei der Entladung von Schiffen. So kam es, dass 1000 Tanna-Leute in Port Vila auf hauptsächlich afro-amerikanische Soldaten trafen, die sie freundlich und gleichberechtigt behandelten und durch die sie in den Kontakt mit CocaCola, Zigaretten, Radios und dem ganzen Schnick Schnack kamen. Daraufhin glaubten die Tanna-Leute, John Frum wäre Amerikaner. Der John-Frum-Cult ist ein grosser, starker Cult geworden. In Tanna, Aniwa und Efate folgt mittlerweile die Hälfte der Bevölkerung diesem Cult und Kastom.
Zurück zum Leben auf der Supermolli. Morgen fahren wir auf den Vulkan Yasur. Uiuiuiui!!! Er ist der Einzige auf der Welt, an den man so nah ran darf und na klar wollen wir das… so long aus der donnernden Ankerbucht!
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