OH OH OH, landet der glühende Brocken jetzt noch innerhalb des Kraters oder knapp hinterm Rand, von wo aus wir dieses unbeschreibliche Schauspiel beobachten? Nicht nur ein mal hab ich mir diese elementare Frage stellen müssen. Die Sache mit den Größenangaben ist ja immer so ein Ding, aber der Yasur hat die Lava in der Höhe bis über den Kraterrand gespuckt, dass sollten gut und gerne 100 Meter gewesen sein. Anfangs haben wir ein bißchen über die Wissenschaftler mit Atemmaske und Helmen geschmunzelt, die mit irgendwelchen Messgeräten an der Kraterkante standen. Als wir dann aber das erste Mal in einer amtlichen Schwefelwolke standen konnten wir Sie gut verstehen. Ok, abmarsch nach Luv war jetzt angesagt und so langsam nahm der ganze Wahnsinn auch an Dramatik zu, da in unserem Rücken die Sonne in rot hinter einer üppig bewachsenen Bergkette unter ging. Vor uns färbten sich die massiven Schwefwelrauchschwaden von dem Licht der brodelnden Lava im inneren des Kraters in ein alles durchdringendes Orange. Kampf der Giganten, Pyrotechnik der Extraklasse. Schon verrückt das Gefühl auf einem aktiven Vulkan an der Kraterkante entlang zu spazieren. Im 3 Minuten Takt macht es dann Boooom, wir gucken in den Krater und alle beknackten Sylvesterraketen werden mental zu sinnlosem Spielzeug degradiert, wenn wieder ein Lavafontäne ungeahnten ausmaßes in den Nachthimmel eskaliert. Als wir dann nach ca. 20 min. auf der anderen Seite des Kraterrandes angekommen waren, konnten wir doch glatt für ein paar Minuten durch eine Spalte ins innere der Erde sehen. Leider nur für ein paar Minuten, denn dann ereignete sich unser persönliches Eldorado in Form eines ungeahnt heftigen Ausbruches. Die Spalte war praktisch unter uns und wir haben die Lava auf uns zu fliegen sehen. Wäre alles noch im Rahmen gewesen, wäre da nicht dieser brutale Donner und die bebende Erde gewesen, die uns mit nachdruck signalisierte das wir uns auf fragilen Pfaden bewegten. Nö, dass war ne Spur zu heftig und wir haben unter wehenden weißen Fahnen den Rückzug zu einer etwas zurückgelegeneren Stelle angetreten. Dort haben wir dann länger gesessen und einfach nur genossen…… In der Zwischenzeit kamen dann auch Jean Gabriel und Bettina von der SY Lady Emily, mit denen wir uns per SAT Phone für diesen Tag am Kraterrand vertabredet hatten(!) Gemeinsam haben wir auf den gelungenen Abend mit einem gepflegten Pisco aus Chile angestoßen. Von dem leckeren Tröpfchen haben uns Bram und Vivian von der SY Duende eine Flasche vermacht um Sie an einem speziellen Ort zu genießen. Viel mehr geht nicht würde ich sagen. Langsam wurde es dann immer schroffer. Bei gefühlten 20 Knoten Wind und ordentlich Vulkanstaub zwischen den Zähnen haben wir uns mit Kopflampen auf den Weg zum Fuße des Berges aufgemacht, um wieder in den Pick Up zu steigen. Nach gut einer Stunde Fahrt über unbefestigte Jungelpiste hat uns der Fahrer dann in unserer Bucht ausgespuckt und wir sind mit dem Dingy in der Dunkelheit zur Molli geschipper. Als wir dann im Cockpit saßen, konnten wir ihn wieder hören den Yasur. Und über den Bergen der Bucht breiteten sich seine seicht orange gefärbten Schwefelwolken aus. Ich schwör. Wir sind alle, auch einen Tag danach, noch wie benommen.
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