
Ohh und nun sind wir in Pentecost angelandet. Die Zeit rennt uns langsam davon, so haben wir uns entschieden nur einen Ankerplatz aus zu wählen. Im Norden soll es sicher sein, im Süden sagen die Handbücher und andere Segler, ist Vorsicht geboten: Das Dinghy schön im Auge behalten, wegen Haien nicht ins Wasser gehen und nicht zu viel von den locals erwarten. Der Süden wird eher zwischen April und Juni besucht. In dieser Zeit springen die locals von ihren hohen selbstgebauten Türmen mit Lianen an den Füssen dem Erdboden entgegen. Der Vorgänger des Bungee-Jumping also. Ohh wow da wollen wir hin!
Uns erwartet eine grosse offene Bucht und eigentlich wollten wir nur mal kurz Landluft schnuppern, um morgen die Reste des Landdiving-Towers zu besichtigen. Luke Fargo, das Urgestein begrüsst uns schon am Strand. Gelesen haben wir über ihn, dass er 1978 der Erste war, der das Landdiving für Touristen öffentlich gemacht hat. Gelesen haben wir auch, dass die Ni-Vanuatu von den Türmen springen, um den Göttern ein Geschenk zu machen, damit es ein gutes Yam-Jahr wird (Yam=sowas wie eine Süsskartoffel). Die Haare der Ni-Vanuatu berühren dabei den Boden.. Hui. Auch haben wir gelesen, dass diese Tradition von einer Frau initiiert wurde. Sie wurde von ihrem Ehemann schlecht behandelt, rannte die Berge rauf, der Mann hinterher. Als sie runtersprang, sprang der Mann hinterher, nicht wissend, dass sie Lianan um die Füsse gebunden hatte. Sie überlebte, der Ehemann nicht.
Der sehr, sehr freundliche Luke bringt uns schon heute gegen eine kleine Gebühr zum Tower. Er ist etwas schief, mittlerweile hat das Wetter ihm zugesetzt, aber imposant alle mal. Luke erzählt uns eine ganz andere Geschichte. Wenn die Lianen der Yamspflanzen in ihren Gärten eine bestimmte Dicke erreicht haben, wissen sie, dass die Zeit gekommen ist. Sie gehen weit in den Busch hinein, um die besonderen Lianen und das besondere Holz für ihren Tower zu schlagen (daher wohl die Fehlinformation). Es dauert sehr lange den Turm mit seinen unterschiedlich hohen Sprung-Etagen zu errichten, dafür gibt es einen speziellen “Bauleiter”, der mit den Göttern in Kontakt ist. Die Fläche vor dem Turm wird gejätet, damit sich niemand verletzt. Viel Arbeit, die die locals neben ihrer schweren Arbeit in ihren eigenen Gärten verrichten. Alles wird aufgehübscht. Dieser Landdiving spot kann etwa 100-150 “Besucher” fassen. Es gibt noch (ich glaube) 4 Weitere hier im südlichen Pentecost.
Wenn nun ein Ni-Vanuatu springen will, muss er sich selber eine Liane schlagen und den “Obersten” um Erlaubnis fragen. Wenn dieser zustimmt, misst er mit dem Auge die Grösse des Springwütigen, fragt kurz nach der Etage und bestimmt so die länge der Lianen. Er prüft natürlich auch sorgfältig die Qualität der Liane. Der Springer darf 3 Wochen vor dem Sprung keinen Sex haben. Er muss rein werden. Am Sprungtag versammelt sich eine Frauenband in Baströcken (Gesang und Tanz) hinter dem Tower. Der Springer klettert nur mit seinem traditionellen Nambas gekleidet (=eine Art Lendenschurz, bei dem aber nur etwas um den Penis gewickelt ist) diesen hohen Turm rauf. Oben angekommen gibt er der Band ein Zeichen welches Lied sie performen sollen (natürlich haben die Songs unterschiedliche Bedeutungen). Dann wird es still. Die (vielleicht) letzten Worte des Springers werden der Audienz vorgetragen. Dann lässt er sich mit göttlichem Vertrauen nach vorne in die Tiefe fallen. Danach wird natürlich viel Lärm für diesen mutigen Springer gemacht. Jetzt darf er wieder mit seiner Frau schlafen und alle sind glücklich. Kinder ab 7 dürfen von der ersten Plattform springen. Ich habe gelesen, dass es sich um ein Männlichkeitsritual handelt. Sobald die Jungs beschnitten sind, dürfen sie sich am Turm beweisen. Ob das stimmt, weiss ich nicht. Luke erzählte uns noch, dass früher auch Frauen gesprungen sind, aber den Chiefs hat der Anblick der nackten Frauen Kopfüber nicht gefallen..
Auf dem Rückweg finden wir Unterschlupf in der Kavahütte. Es regnet wie aus Eimern. Kein Wunder: Maewo heisst “Insel des Wassers” und Pentecost ist ganz nah dran. Es ist Vanuatus Insel mit dem zweithöchsten Niederschlag pro Jahr. Auch mir ist es erlaubt mich in der Hütte aufzuhalten. Glück gehabt 😉 Hier lernen wir Lukes erwachsenen Sohn und seine Freunde kennen. Alle sind ausgesprochen freundlich, lustig und überhaupt nicht mit Vorsicht zu geniessen. Sie laden uns auf ihr Kava ein. Vanuatu Kava. Es heisst es ist das Stärkste. Wir finden es bedeutend frischer, pflanziger und auf jeden Fall viel stärker. Dann testen wir noch ihren Tabak. Der zieht uns fast die Schuhe aus. Aber am meisten sind wir von diesen lustigen jungen Männern angetan. Marcus verabredet sich direkt für den Kavaabend. Kann ich gut verstehen! Auch wenn ich freundlich und natürlich mit einbezogen wurde, hab ich trotzdem das Gefühl es handelt sich doch eher um einen Männerabend. So schreibe ich jetzt diesen Blog, damit ihr auch was davon habt 😉
Ach und natürlich haben wir (wie immer) die locals nach Haien gefragt. Ihre Antwort: Keine Haie. Sie schwimmen alle hier. Noch nie hat ein Hai jemanden gefressen. Ein Amerikaner ist letztens extra hier her gekommen, um mit Haien zu tauchen (er hat wohl das Gleiche wie ich gelesen). Nach 6 Stunden hat er aufgegeben. Kein einziger Hai hat sich blicken lassen… (Ich geh hier trotzdem nicht schwimmen. Kein vorgelagertes Riff und der Meeresboden fällt sehr schnell sehr steil ab… Die Kinder bleiben somit auch an Bord 😉 )
….so long aus der aufregendsten Inselgruppe, die wir besuchen durften… PS: Pentecost Landdiving kann man bestimmt video googeln..