Eigentlich wollten wir ja schon längst auf der nächsten Insel (Tanna) sein, Supermolli hatte andere Pläne. Nachdem wir ein paar schöne Tage (auch mit Regen..) in Anelghowhat im Süden vom wilden Anatom hatten, beschlossen wir auch noch die Nord-West Seite der Insel zu erkunden. Vor Anelghowhat liegt die kleine Insel Mystery Island mit eigenem Resort, die ein hervorrgagendes Schnorchelriff haben soll (deshalb kommt auch regelmässig das große Cruiseship Princess Star). Wir jedoch hatten so viel Regen, dass niemandem nach schnorcheln zu Mute war. Die ni-Vanuatu glauben, dass Mystery Island die Insel der Geister ist. Deshalb wohnt dort niemand. Sie paddeln aber tagsüber rüber, um die Gäste des Resorts zu verpflegen, über Nacht bleibt kein ni-Vanuatu.
Nun wir hatten uns als nächstes Ziel eine kleine Bucht (Anau-un-se) ausgesucht, die laut unserem geliebten Revierhandbuch von 1996 einen kleinen Pass hat und Platz für ein Boot bietet. All unsere elektronischen Karten zeigten kaum etwas, aber es gab ja eine Zeichnung aus eben diesem Buch. Wegpunkte oder GPS Koordinaten sucht man in diesem Teil der Erde vergeblich. Vor zwei Tagen fanden wir nun diese Bucht und nach der Einfahrt durch den Riffpass zeigte sich auch, dass ein “Loch” im Riff von ungefähr 60 m Durchmesser Raum zum Ankern lässt. Einen Kleinen zwar, aber genug. Auf 12 m viel unser Spadeanker mit 40 m Kette. Der Wind war stetig aus einer Richtung (ablandig) angesagt. WOW das ist schon besonders.
Wir treffen in der wilden und wunderschönen Bucht eine Fischerfamilie, die ausgesprochen nett und höflich ist. Die Kommunikation ist einfach, da eigentlich alle hier englisch sprechen. Nicht selten trifft man auf ni-Vanuatu, die englisch, französisch und Bislama (ihre Nationalsprache, die wie ein vereinfachtes englisch wirkt) sprechen. Dazu kommt noch, dass Vanuatu mehr als 100 eigene Sprachen hat! Allein auf Tanna gibt es 28 unterschiedliche Sprachen! Im eigenen Dorf haben mitunter auch die Männer und Frauen unterschiedliche Sprachen (damit sie sich nach Bedarf nicht verstehen ;-)).

Gestern morgen um 6 Uhr wollten wir Anker auf gehen, um noch bei Tageslicht Tanna zu erreichen. ABER! Der Anker sitzt fest. Man bedenke nun, dass wir rundherum in 30 Metern Abstand ein Riff haben! Arrgh.. Auch nach allen Manövertricks, die wir so drauf haben, sitzt unser Superanker wie ne Bombe. Leider können wir nicht auf den Grund sehen, da das Wasser etwas schlammig ist. Auch kann Marcus nicht auf 12 Meter runtertauchen. Da hilft nur noch ein Flaschentaucher oder wir müssen die Kette kappen und verlieren damit unseren Bombenanker. Ohh neee.. Und wir hier voll im OFF! Kurzentschlossen mailen wir an unsere Freunde von der Lady Emily, die Tauchequipment an Bord haben und den Customs in Port Vila (Efate). Mehr Leute kennen wir hier nicht.. Über VHF ist kein Boot erreichbar. Stanley von den Customs meldet sich per Satphone ziemlich direkt. Er sagt, dass es in Tanna eventuell jemanden gibt oder aber in Efate, derjenige könnte eingeflogen werden, wenn wir wollen.. Hmm.. schöne schei**e.. Aber was sollen wir machen? Wir verabreden, dass er sich umhört und sich dann wieder meldet. Dann sehen wir die MY Orca an der Bucht vorbeifahren. Über Funk diskutieren wir ein paar weitere Möglichkeiten den Anker zu heben. Pete gibt uns den guten Tipp bei Niedrigwasser die Kette stramm zu ziehen und dann die Tide den Anker heben zulassen. Dagegen steht aber, dass wir ab 20 m die Kette nicht mehr reinholen können. Das heißt eigentlich, dass auch die Kette irgendwie verhakt sein muss. Es ist mittlerweile mittags und wir sehen wieder die Fischerfamilie am Strand. Marcus schnappt sich das Kayak und spricht mit Roy. Der berichtet, das es in Anelghowhat Taucher gibt, die ohne Flasche in der Tiefe arbeiten können. Er läuft direkt mit seiner Familie (Frau und 2 Kinder) in das 3 Stunden entfernte Anelghowhat, um seinem Neffen Jona bescheid zu geben! Den haben wir am Tag vorher schon kennen gelernt. Er ist uns sehr symphatisch und wirkt auch irgendwie sehr kompetent. Er würde am nächsten Tag um 9 Uhr den Taucher mit seinem Boot rüber fahren. OK. …. Wir sagen also den Customs ab und vertrauen auf die Locals. Die Lady Emily bietet ihre Hilfe in 2 Tagen an. Vorher müssen sie sich erstmal regenerieren. Eigentlich alle sind auf ihrer Überfahrt nach Tanna Seekrank geworden und brauchen verständlicher Weise erstmal Schlaf!
Heute pünktlich um 9 kommt also die Lanscha von Jona mit 7 Mann an Bord durch den kleinen Pass. Der Taucher geht sofort ohne Probleme auf den Grund und erzählt, dass die Kette um einen Riffblock liegt und der Anker unter einem Limestone. Gefangen. Möp. Er sagt, er will auf Niedrigwasser warten, dann versuchen sie die Kette und den Anker zu befreien.
Hui wir sind ganz schön aufgeregt. Wir müssen Molli mit dem Heck in den Wind drehen, um die Kette zu entlasten. Wer schon mal auf einem Langkieler gesegelt ist, weiß, dass das auf einem Wendekreis von maximal 60 m mit gefangener Kette nicht so ganz einfach ist. Nach dem dritten Anlauf klappt es. Die Kids wissen um die prekäre Lage und verhalten sich ausgesprochen ruhig. Marcus und ich arbeiten super, abwechselnd am Steuer und an der Ankerwinde. Dann liegt sie mit dem Heck im Wind UND an der Riffkante! Der Taucher fängt mit seiner Arbeit an. Es ist wirklich unglaublich, wie er scheinbar ohne Anstrengung immer wieder abtaucht und irgendwas an der Kette macht. Ein Anderer unterstützt ihn dabei. Jona in seinem Boot gibt uns jetzt Anweisungen, dass Schiff zu drehen und über den Anker zu fahren, die Kette einzuholen. Aber die Kette blockiert wieder bei 20 m. Ein neuer Versuch gegen den Uhrzeigersinn um den Block zu fahren, scheitert etwas ab. Nachdem der Taucher wieder zum Arbeiten runter auf den Grund geht, versuchen wir wieder über den Anker zu fahren und wow yeah dieses Mal klappt es. Der Anker ist frei!!!! Der Taucher sagt uns, wo wir ihn wieder schmeissen können und das tun wir auch. Alle kommen an Bord und 2 grosse Steine plumpsen von unseren Herzen ins Meer. Unsere Helden trauen sich erst gar nicht richtig an Bord, aber nach kurzer Zeit haben sie alles begutachtet und wir plaudern bei Kaffee und Saft über Segelboote und die ni-Vanuatu.
Diese Bucht ist die letzte Walfang und -schlachtstation gewesen. Traurig, aber die Wale schwimmen nah vor der Küste her und sind früher einfache Beute gewesen (Wir konnten auf der Fahrt hier her auch Wale beobachten, die an uns vorbei schwammen). Zum Glück wird das hier nicht mehr gemacht! Sie erzählen uns des Weitern, dass die Einwohner auf Anatom sich alle mit Familiennamen kennen. Tanna dagegen ist so groß, dass sich nicht mehr alle kennen. Ich frage sie nach dem Kastom (ein starker “Kult”, der besonders auf Tanna wichtig war und ist, aber dazu schreib ich demnächst mal was). Er erzählt, dass früher in den 50ern das Kastom noch sehr mächtig war. Um auf die 40 Seemeilen entfernte Insel Tanna zu kommen nutzten die Menschen ihren Glauben. Sie sind in ihren Einbäumen raus aufs Meer gefahren, an der Stelle wo die Wellen einsetzen, haben sie drei Mal mit geschlossenen Augen gepaddelt, dann ein spezielles Kastomlied gesungen und dann wieder drei Mal gepaddelt und schon waren sie in der Brandung von Tanna, rechtzeitig um Kava zu trinken.
Wir fragen, was der Taucher (er spricht kein englisch) mit seiner Begabung macht. Uns wird erzählt, dass alle Tieftaucher in bis zu 20 metern Schildkröten fangen. Tja und Yachten in Not helfen. Als wir fragen, wieviel Geld sie von uns für ihre Heldentat haben möchten, sagt Jona er hätte gerne (umgerechnet) 50 Euro für den Sprit, den er verfahren hat. Mit Mühe können wir ihnen 100 und ein paar T-shirts, Zucker und so was geben. Ohh. … Später telefonieren wir mit der Lady Emily, die uns erzählen, dass in ihrem Buch steht, dass man diese spezielle Bucht unter keinen Umständen anlaufen soll. Zu gefährlich. Haben wir also das falsche Buch? Nein wir sind froh, dass wir in dieser wilde Bucht ankern konnten und wir sind froh all die netten Leute kennen gelernt zu haben. Jeder Ort nimmt für uns schwer an Bedeutung zu, wenn wir Freundschaften schliessen können und so die Möglichkeit haben, die Menschen und ihr Leben näher kennen lernen zu können. Wir würden wieder hier einlaufen. .. so long.. aus dem Riff..

Logbuch
January 2026 M T W T F S S 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31




































































































































































