Oha war das ne Ueberfahrt. Es hätte sich bestimmt ein besseres Wetterfenster finden lassen, aber wir wollten nicht noch eine Woche in Port Vila warten. Zum Dank gabs gleich in der ersten Nacht satte 20 Knoten auf die Nase. Die Ozeanwelle nicht zu vergessen. Abfallen führte zu keinem Ziel, es hieß so hart an den Wind wie es nur geht. Es donnert, der Pazifik kracht gegen den Runpf, Molli springt über die Wellen. Die Vorpiek ist unbenutzbar, es sei denn jemand hat interesse im Schleudergang zu nächtigen. Und nass ist es vorne auch. Wie so oft ist eine Welle unter dem Dinghy durch die Luke auf meine Bettseite geschwappt. Das lernen wir irgendwie nicht mehr. Es ist ja nicht so, dass wir uns nicht über dieses Thema beraten würden, aber wir denken immer! das klappt schon: es wird schon keine Welle einschlagen. Und dann ist unser Bett doch wieder nass. Möp. Lina und mir reichts jedenfalls wieder für unsere mittlerweile routinierte Medikamenten einnahme. Trotz allem kommen wir pünktlich am übernnächsten Morgen in Lifou (Loyalty Islands), Neu Kaledonien an. Es ist nicht sicher, ob wir hier überhaupt einklarieren können. Es gibt viele Meinungen dazu. Deshalb kommt hier eigentlich auch kaum ein Segler vorbei. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt..
Es stellt sich heraus, dass es tatsächlich nicht so einfach ist. Marcus muss mit unseren Papieren in die Hauptstadt Noumea auf Grande Terre fliegen. Da aber der Süd-Ost auffrischt und die Ankerbucht auf der Ostseite (also auflandiger Wind) liegt, verholen wir unsere Supermolli noch am selben Abend in die Mini Marina, in deren blauen Wasser sogar Korallen wachsen. Hier dürfen wir umsonst liegen, da es sich ja so zu sagen um einen Notfall handelt 🙂 Oh! So sind die furchtbar höflichen, lieben Einwohner hier.
Kanak nennen sich die Ureinwohner. Caldoches sind die hier geborenen Europäer. Auch hier wurde den Ureinwohnern ihr Land enteignet zu Gunsten der “neuen” europäischen Siedler. Im Gegensatz zu Vanuatu gibt es in Neu Kaledonien neue Strassen, Elektizität, eine gute Infrastruktur. Noumea glitzert, es sind allerdings nicht die Kanaken, die den Champagner schlürfen. Sie findet man häufiger in den Gefängnissen, ihre Arbeitslosenrate ist vier mal höher, als die der Caldochen. Es gibt also nicht nur kulturelle Unterschiede.
Die Geschichte der Nouvelle Caledonie startet ähnlich der Vanuatus: 1500 vor Chr. besiedelten die ersten Lapita aus Vanuatu die Inseln. Es folgte das Übliche: die Europäer entdeckten die Inseln 1700 nach Chr., Kirchen wurden errichtet, Walfang, Abholzung, die Crew eines amerikanischen Schiffes wurde aufgegessen. 1856 kamen die ersten französichen Verurteilten in der von Napoleon errichteten Strafkolonie Noumea an. 1864 stellte sich heraus, dass in Neu Kaledonien 25 % des Nickelvorkommens der Welt stecken. 1878 organisierte Chief Atai eine Revolte gegen die Landenteignung und gegen die Deportation “verurteilter” Kanaken, die nieder geschlagen wurde. Daraufhin galt für die Kanaken ein anderes Gesetz und sie wurden offiziell zu Staatsbürgern zweiter Klasse. 1917 gab es eine weitere Revolte der Kanaken, gegen die Einberufung in die französischen Armee im ersten Weltkrieg. Im WW2 errichteten mehr als 40.000 Amis eines ihrer Lager in Noumea. Ab 1946 (!) durften die Kanaken selber wählen gehen und 1953 wurde ihnen erstmals die französiche Staatsbürgerschaft bewilligt. 1983/84 akzeptierten die Franzosen die Unabhängigkeit der Kanaken. Im Gegenzug wurde den Caldochen die gleichen Rechte wie den Kanaken zugesagt, da diese ja “Opfer der Geschichte” seien. Ein Volksentscheid zur Unabhängigkeit Neu Kaledoniens 1998 fand keine Mehrheit in der Bevölkerung. Neu Kaledonien ist zur Zeit ein Übersee-territorium Frankreichs. In den nächsten Jahren soll es einen weiteren Volksentscheid geben. Nur noch 44% der Bevölkerung sind Kanaken.
Zurück zur Supermolli: Marcus kommt mit gestempelten Pässen aus Noumea wieder. Super! Am selben Abend noch verlassen wir Lifou und die SY Mares mit Laura an Bord. Alle sind traurig. Es ist ja im Leben von Jaron und Lina nie sicher, ob sie ihre Freunde jemals wieder sehen werden.. Die Kinder schlafen schon, als wir die Marina mit Ziel Atoll d’Ouvea verlassen. Totzdem wacht Lina Nachts mit fieser Seekrankheit auf, es helfen auch keine Medikamente mehr. Die arme Kleine ist so tapfer und tut mir so sehr leid! Es wird wohl tatsächlich Zeit unsere Segelreise zu beenden. Schnief..
Heute morgen sind wir durch den Nordpass ins Atoll gekreuzt. Mal wieder 20 Knoten auf die Nase, aber das sind wir ja langsam gewöhnt.. Der Anker liegt nun auf 5 Metern feinstem weissen Sand. Das Wochenende wird uns wohl viel Wind und Regen bereiten, was sehr schade ist, denn hier siehts BOMBASTISCH aus!!!!!!!!
so long..











































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