..und mit Orkan mein ich nicht das alltägliche Chaos, dass die Kinder jeden Tag hier veranstalten! Aber ich fang am Besten mal von vorne an. Wir sind gestern Morgen hier in Tongatapu angekommen und auf den Ankerplatz bei einer kleinen Insel gegangen. Es hieß hier ist guter Ankergrund und im kleinen Hafen würde uns nur Dreck, Ratten und Med-Style ankern erwarten. Der Wind kam aus Nord-Ost aber wir erwarteten abends einen Windshift auf Süd-West und einen Trog mit angegebenen 25 Knoten Wind (aus unseren Gribfiles). Auf 14m Tiefe haben wir erst nur 30m Kette gelegt, um nach dem Windshift weitere 30 rauszulegen. Natürlich haben wir vorher das Ankerfeld abgefahren, da wir nah am Riff und nah an den 5 Wracks geankert haben. Den ganzen Tag über hatten wir weniger als 10 Knoten Wind, aber Abends kam der schwere Regen und der Windshift folgte schnell. Wir mussten also schon bei 30 Knoten (das ist 7 Bft) die Kette nachlegen. Für alle Nicht-Segler: die 70 meter lange Kette ist im inneren des Schiffes mit einem Seil am Rumpf verbunden. Um zu vermeiden, dass die volle Kraft mit der das Boot am Anker zieht, ausschließlich von der Ankerwinde abgefangen wird, verbinden wir zusätzlich ein Seil mit der Kette und belegen es auf einer Klampe. Verstanden? Ich hoffe. Na jedenfalls war das Nachlegen bei Bft 7 schon eine heikle Angelegenheit. Hat aber bestens geklappt. Motor wieder aus. Dann fällt Marcus plötzlich auf, dass unsere Sprayhood nicht ganz ordentlich festgemacht ist und ordentlich im Wind schlackert. Da hatten wir dann wohl so 40 Knoten Wind (Bft 8). Nach dem Festzurren sind wir wieder ins Boot und gerade trocken gerubbelt in Unterbüx, da hör ich unsere Ankerkette durchrauschen. Oh what the fuck! Ich renn zum Ankerkasten und seh die Kette nicht mehr, nur noch das Seil am letzten Ende auf Zug. Gleichzeitig rennt Marcus raus und sieht, dass das andere Seil, mit der die Kette entlastet wurde, komplett verschwunden ist. Dabei blasen mindestens 54,7 Knoten Wind!!!!!!!!!!!!! Ahhhh!!!!! Das ist gerade noch WINSTÄRKE 10!!! Und wenn man mal berucksichtigt, dass unser Windmesser ein wenig lahm ist.. ab 55 Knoten ist das Windstärke 11!! Das heisst übersetzt: orkanartiger Sturm! Gleichzeitig natürlich Regen, der so krass gegen den Körper peitscht! Ich kann Marcus vorne fast nicht mehr sehen, geschweige denn hören! Ich mach schnell den Motor an, den Plotter und seh uns 100m vom Riff und Wrack plus Insel entfernt. Wir sind nicht geslippt, aber alles hängt jetzt auf der Ankerwinde und an dem Seil, dass die restlichen 3 Kettenglieder in der Rundung der Kettennuss der Ankerwinde hält. WOW!! Marcus arbeitet hart an einer Lösung: er benutzt eine Reserve Ankerkralle (danke Felice), diverse Schäkel (die er noch mit der Akkuflex passend macht) plus unserem ultra-starken-fetten Ankerseil – schäkelt alles zusammen und legt es über die Kette auf die beiden Klampen am Vorderschiff. Die Bomben-Monster-Ankerwinde hält alles ohne Probleme aus (Kony! Bft 11 !!! WOW) UND zieht dann auch noch die Kette bei ein wenig Fahrt voraus wieder hoch! Wow wenn irgendjemand mal ne Winde braucht, die Sturmstärken aushalten muss, wir wissen wer so was herstellt: Kony the man!! Und auch unsere Sprayhood hats ohne zu zucken überlebt, “Segel Raap” auch WoW! Aber zurück ich hatte echt einfach nur noch Angst. Meine Knie und mein ganzer Körper schlotterten. Ich saß im Cockpit Blick auf das Ankerfeld und das Wrack neben uns, um sofort Gas geben zu können, falls unser Ankergeschirr nicht hält. Es war soooo kalt! Den Kleinen hab ich gesagt, sie sollen ihre Rettungswesten anziehen und mir Meine und Regenzeug geben. Danach fragte Jaron: “und was jetzt Mama?” Ich sagte “alles gut, einfach weiterspielen”. Das haben sie auch getan. In der Molli haben sie von dem Ganzen nix mitbekommen. Etwas irritiert waren sie vielleicht, weil der Kapitän ständig reinrannte, um irgendein Werkzeug zu besorgen (er war ügrigens die ganze Zeit nur in Buxe unterwegs).. Wenn er vorne war konnte ich ihn wirklich nicht hören, egal wie laut er gebrüllt hat, wir konnten uns nur mit Handzeichen verständigen. Das Wetter war soo krass, so was hab ich noch nie gesehen! Zum Glück haben wir etwas abseits der anderen Boote geankert, denn irgendwann sah ich das erste Boot auf die Insel zu slippen. Sie konnten zum Glück gegenan motoren und nach dem Sturm woanders ankern. Unsere Freunde von der SY Oda sind auch ca 15 m geslippt. Für sie war es auch hart, da letzte Woche ihr Bowdenzug gerissen ist und sie nur über Autopilot und Notpinne steuern konnten. Zum Glück ist keinem der Boote etwas passiert! Wir haben nach ca einer Stunde noch einmal die 50 Knoten auf dem Anzeiger gesehen und dann hat sich alles beruhigt. Das war also ein Trog (Michael, ich musste danach schwer ans Wetterseminar denken.. so theoretisch gesehen sieht so ein Trog im Bild ja ganz hübsch aus, aber in Echt ist das der totale Horror..). Unser Wetterguru Bob hat uns pünktlich davor per email gewarnt. Nachher schrieb er uns, dass dieser Trog in Aukland auch mit 55 Knoten einiges verwüstet hat. Jetzt sind wir um eine Erfahrung reicher und ich freu mich umso mehr, dass ich nicht nach Neuseeland segeln muss! Ha! (Ich glaube Rolf sitzt jetzt schon im Flieger und kann nicht mehr zurück). Den Tag heut haben wir genz entpannt in Nukualofa verbracht, aber die Erinnerungen an die letzte Nacht sind noch nicht so ganz abgeschüttelt… Wow.. so long..
Es fing ganz harmlos an. Jaron war glücklich im Regen..
Und dann sehr enttäuscht, als der Regen aufhörte..
Also haben wir noch schnell einen Besuch auf der Insel Pangaimotu gemacht. Cooler Spot mit Wrack vor der Bar von Big Mama.
Pangaimotu
Also hier sieht man die Entfernung zum Wrack und Riff ganz gut, als der Wind drehte lagen wir aber noch dichter dran.
Mein Blick in den Ankerkasten. Keine Kette mehr zu sehen, nur noch das schwarze Seil. Uffz.
Konstruktion an Deck. Die Bilder hab ich natürlich alle erst am näxten Tag gemacht..
extra Entlastung für die Kette
Reserve Ankerkralle mit Schäkel Kompott. Hat gehalten.
Am näxten Morgen brühtet der Kapitän schon wieder über dem näxten Rätsel. In Vava’u, am Strand hat er diese merkwürdige Boje gefunden. Leider etwas kaputt (also mit Wasserschaden), aber vielleicht ist ja noch was taugliches drin?
Alles Schrott nur eine kleine Solarzelle funktioniert noch, also ein erfolgreicher Fund! Wer weiß wofür man die noch benutzen kann. Die Jungs sind jedenfalls glücklich!




















































































































